01|08|2016

Frühhistorisches Museum im Steinhaus Bad Wimpfen

Die Anfänge der fast 2000jährigen Siedlungsgeschichte der Stadt Bad Wimpfen dokumentiert das Frühhistorische Museum im Steinhaus.

Die heutige Bad Wimpfen kann auf eine reichhaltige frühe Historie zurückblicken, die bereits in der vorrömischen Zeit ihre Ursprünge findet. An der einstigen Hohen Straße und am Zusammenfluss von Jagst und Neckar strategisch günstig gelegen, war bereits in der Jungsteinzeit und der Eisenzeit die Neckaraue besiedelt. Während der Hochzeit des römischen Imperiums befanden sich in der heutigen Talstadt ein Armeekastell und später ein bedeutendes römisches Verwaltungszentrum.

Einschlägige Funde aus der dieser Zeit wurden zum Teil bei Ausgrabungen gesichert und befinden sich heute in der frühgeschichtlichen Abteilung des Museums im Steinhaus, die sich dort im Erdgeschoss befindet. Teil der Ausstellung sind daher Steingeräte und Keramiken der Rössener Kultur, aber auch römische Fundstücke.

Neben dem Kastell mit der Brücke über den Neckar (um 85 nach Chr.) entwickelte sich eine ummauerte Stadt, die neben Ladenburg und Rottweil zu den bedeutendsten Städten des Dekumatlandes gezählt wird und Hauptort des Vicus Alisinensium war. Neben alltäglichen Gegenständen und Fundamenten der einstigen römischen Verwaltungs- und Militärsiedlung wurden im Rahmen der Ausgrabungen auch der Wimpfener Götterhimmel entdeckt. Eine Ansammlung von Statuen, die römische und lokale Gottheiten darstellt und heute im Museum im Steinhaus ausgestellt ist. Zu den weiteren Fundstücken, die im Museum ausgestellt werden, gehören auch Reste der Römerbrücke, die bis um das Jahr 1300 genutzt wurde und den Aufschwung der Stauferpfalz zur Reichsstadt ermöglicht hat. Im Eingangsbereich des Steinhauses befindet sich auch eine Arrestzelle, wie sie wohl noch bis zur Neuzeit gebräuchlich war.

Das erste und zweite Obergeschoss des historischen Gebäudes beherbergt eine Abteilung zur staufischen Historie der Stadt Bad Wimpfen. Bereits Friedrich Barbarossa begann mit dem Bau seiner Königspfalz in Wimpfen, die seine Nachfolger fortführten. Eine Provokation gegenüber dem Wormser Bischof, der Wimpfen als Lehen an Friedrich Barbarossa übertragen hatte. Diese Verbindung schlägt sich bis heute im Stadtwappen der Stadt nieder, die einen staufischen Königsadler mit einem Schlüssel – dem Symbol für Worms – zeigt. Von Kaiser Friedrich II. und seinem Sohn König Heinrich VII. ist überliefert, dass sie sich in ihrer Residenz hoch über dem Neckar sehr wohl gefühlt haben und es gibt Hinweise, dass auch Walter von Vogelweide in den Mauern der Königspfalz intensiv an seinen Meisterwerken gearbeitet.

Das Gebäude selbst legt ebenfalls Zeugnis über die frühe Historie der Stauferzeit ab. Das sogenannte Steinhaus wurde während jener Epoche als Frauenkemenate errichtet und zählt zu den ältesten bekannten romanischen Steingebäuden nördlichen der Alpen. Besonders sehenswert sind die im ersten Obergeschoss befindlichen Fresken, aber auch architektonische Besonderheiten, wie die Umbauten aus dem 15. Jahrhundert.

Nur wenige Meter entfernt befindet sich die staufische Pfalzkapelle mit dem kirchenhistorischen Museum, die Arkaden des einstigen Königspalais sowie das städtische Wahrzeichen, der Blaue Turm, und der Rote Turm, die jeweils das Burgviertel der Stauferresidenz begrenzen. Wer sich darüber hinaus auch für die reichsstädtische Historie der Stadt Wimpfen interessiert, findet im nur wenige Gehminuten entfernten Reichsstädtischen Museum im Alten Spital weitere Informationsmöglichkeiten zu jener Epoche, die bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 für die Stadt prägend war. Eine Besonderheit aller drei erwähnter Museen ist im Übrigen, dass sie alle ehrenamtlich durch den Trägerverein Verein Alt-Wimpfen betrieben werden.

Das Museum im Steinhaus und das Museum in der Pfalzkapelle sind von Ostern bis zur 2. Oktoberwoche von Montag bis Sonntag jeweils von 10 bis 12 und 14-16.30 Uhr geöffnet. Das Reichsstädtische Museum im Alten Spital ist ganzjährig für den Besucherverkehr von Dienstag bis Sonntag, 10-12 und 14-17 Uhr zugänglich. Der Eintritt in das Museum im Steinhaus und in das Reichsstädtische Museum beträgt jeweils 2,50 € pro Person. Schüler, Studenten und Kurgästen zahlen einen ermäßigten Eintritt. Ein Museumspass, der zum Eintritt in alle drei Museen berechtigt, kann vor Ort für erworben werden.

Regelmäßige öffentliche Stadtführungen und Themenführungen bieten darüber hinaus die Möglichkeit die historische und denkmalgeschützte Altstadt mit ihren städtebaulichen Besonderheiten unter fachgerechter Anleitung zu erkunden.

Weitere Auskünfte erteilt die Kultur und Tourist-Information Bad Wimpfen, Hauptstraße 45, 74206 Bad Wimpfen, Telefon 07063-97200 oder E-Mail info@badwimpfen.org.

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